Dem Kapitalismus keinen Frieden gönnen! Interview zur Silvesterdemo

Ein Interview mit AktivistInnen der Demo-Organisation der diesjährigen Silvesterdemonstration am 31.12. in der Stuttgarter Innenstadt.

Zum Jahresabschluss 2011 soll es am Silvesterabend eine revolutionäre Demo durch die Stuttgarter Innenstadt geben. Mobilisiert wird zur Demo unter dem Motto „No Justice, No Peace – Kampf der Klassenjustiz!“. Ihr beide beteiligt euch an den Demovorbereitungen. Erzählt mal was dahinter steckt!

Simon: Hallo erstmal! Mit dem Demomotto hast du fast Recht. Was du vergessen hast ist die wichtige Schlussparole „Für ein revolutionäres 2012!“.

Isi: Genau, die Demo richtet sich zwar klar gegen die zunehmenden Angriffe des Staates auf linke Bewegungen, soll aber in ihrer Ausrichtung nicht in dieser defensiven Haltung stehen bleiben.
Wir wollen vielmehr deutlich machen, dass der einzig richtige Umgang mit der staatlichen Repression der konsequente Kampf dagegen ist. Das heißt natürlich auch, die Hintergründe und die Motive der Angriffe gegen uns zu verstehen und zu bekämpfen: Der repressive Staat muss als aufgerüsteter Apparat zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft begriffen werden.

Simon: Und diese Herrschaft äußert sich im Kapitalismus nuneinmal in der wirtschaftlichen und politischen Macht einer kleinen Klasse von Besitzenden und Profitierenden mit einer Justiz, die dazu gemacht ist, diesen Status aufrecht zu erhalten. Ihr gegenüber steht aber die große Bevölkerungsmehrheit, die vom Besitz der Wenigen abhängig gehalten wird. Sie darf ohne nennenswerten Einfluss auf die eigenen Lebensbedingungen und gesellschaftliche Mitbestimmung dahinvegetieren. Das herrschende Rechtssystem ist darauf ausgelegt, jedes eigenmächtige Handeln dieser Mehrheit, das die Eigentums- und Machtverhältnisse untergräbt, konsequent zu bestrafen und zu unterbinden. Dabei ist ganz egal ob die „Täterinnen und Täter“ aus Verzweiflung, Wut oder Überzeugung handeln.
Dieses System ist organisierte Ungerechtigkeit und Entmündigung. Unsere Antwort lautet daher: Solange der Kapitalismus besteht, werden wir ihm keinen Frieden gönnen!
No Justice, No Peace….


OK, und warum soll die Demo genau am 31. Dezember stattfinden?

Isi: Das Silvesterdatum haben wir gewählt, um den Rückblick auf das Jahr 2011 mit all seinen politischen Erfolgen und Rückschlägen mit dem kämpferischen Ausblick auf kommende Zeiten zu verbinden. Was bietet sich da besser an, als der Abend des Jahreswechsels?

Ihr habt Anfangs von zunehmenden staatlichen Angriffen gesprochen und redet nun von Rückschlägen. Was meint ihr damit konkret? Denkt ihr nicht, dass eine Aktion mit so einer Schwerpunktsetzung bei vielen Leuten eine eher demotivierte Stimmung erzeugen könnte?

Simon: Zum ersten Teil der Frage: Im Demoaufruf haben wir ja einige Beispiele für wichtige politische Aktionen im Jahr 2011 aufgelistet, die mit heftigen Repressionsschlägen des Staates beantwortet wurden. Die Masseningewahrsamnahmen bei den Protesten gegen den Nazigroßaufmarsch am 1.Mai in Heilbronn zum Beispiel, oder die gewalttätigen polizeilichen Angriffe auf antirassistische Proteste Anfang Juni in Stuttgart und die anschließende Inhaftierung unseres Genossen Chris machen ganz anschaulich, welcher Umgang mit fortschrittlichen Bewegungen aktuell in diesem Staat gepflegt wird….

Isi: Auch wenn diese Einsicht erstmal nicht besonders erfreulich ist, denken wir nicht, dass du mit deiner Befürchtung recht hast. Die Tendenz ist doch die, dass sich langsam aber sicher immer mehr Leute über die herrschenden Zustände und den Sicherheitsapparat empören und nicht mehr alles widerspruchslos hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird. Linke Bewegungen, zum Beispiel im Bereich des Antimilitarismus oder des Antifaschismus, bauen wieder an Aktionismus und Effektivität auf. Eine Aktion, die staatliche Gegenangriffe offen anspricht und ins Visier nimmt sorgt für wichtige Impulse und ein größeres Selbstbewusstsein im Umgang mit staatlichen Konfrontationen. Demotivierend ist es hingegen, wenn jede und jeder sich allein damit herumschlagen muss.


Lassen sich die Schwerpunkte der Repression klar bestimmen? Wo schlägt der Staat besonders hart zu?

Simon: Interessant ist, dass gerade öffentlichkeitswirksame Kampagnen und Aktionen, die an wichtige aktuelle Diskurse anknüpfen sich ganz besonders im Fadenkreuz der Repression befinden. Sobald viele politische Akteure aus der Linken gemeinsam handeln und sich auf verschiedenen Ebenen Gehör verschaffen, werden sie zum Angriffsziel, das politisch delegitímiert und in der Praxis arbeitsunfähig gemacht werden soll. Beispiele sind etwa die antifaschistische Arbeit gegen den diesjährigen Naziaufmarsch in Dresden, oder die wiedererstarkenden Proteste gegen Atomkraft und Castortransporte.
Ganz kurz könnte man sagen, dass der Umfang der staatlichen Angriffe für uns auch ein Anzeichen dafür sein kann, dass unsere Politik genau dort trifft, wo sie es auch soll. Wir würden irgendetwas grundlegend falschmachen, wenn die Herrschenden kein Problem mit unserer Arbeit hätten!


Ihr wollt also am Jahresende noch einmal deutlich machen, dass die Repression ein Problem ist, dem man nicht aus dem Weg gehen kann und darf, für dessen Abwehr und Überwindung es aber Möglichkeiten gibt…

Isi: Klar, die Repression fordert uns dazu heraus, immer bessere Schutzmechanismen zu entwickeln, also mit einer offensiven Antirepressionsarbeit zu antworten!

Simon: Der einzig nachhaltige Weg, die staatliche Repression zu beenden bleibt aber die Perspektive der sozialen Revolution! Nur der Kampf für eine solidarische Gesellschaft, in der Alle bewusst an der Organisation und der Weiterentwicklung ihrer Lebensumstände teilhaben, wird soziale Unterdrückungsmaßnahmen eines Tages unnötig machen. Die Klassenjustiz kann erst dann überwunden werden, wenn wir auch die Klassenherrschaft an sich angreifen!

Noch irgendwelche Ergänzungen?

Isi: Kommt zur Demo und macht gemeinsam mit uns deutlich, dass wir weiterkämpfen – egal was die Gegenseite auch gegen uns in Stellung bringen mag. Bringt Transparente, Fahnen und kämpferische Stimmung mit! Samstag, 31. Dezember um 17:00 Uhr auf dem Marienplatz im Stuttgarter Süden.

Simon: Was gibt es Besseres, als den Auftakt ins neue Jahr mit denjenigen auf der Straße zu verbringen, die auch sonst neben dir stehen und zusammenhalten, wenn es um den Kampf für eine bessere Gesellschaft geht?

Veranstaltung am 28.12.

Anfang August wurde der Stuttgarter Antifaschist Chris in Untersuchungshaft genommen. Vorgeworfen wird ihm zweifache Körperverletzung im Zusammenhang mit antifaschistischen Aktivitäten im Juni (www.solikreis-stuttgart.tk). Mitte September fand sein Prozess vor dem Amtsgericht statt, wo er zu 11 Monaten Knast verurteilt wurde. Der Angeklagte ging daraufhin in Berufung. Die Untersuchungshaft, die bis Montag, den 19. Dezember andauerte wurde mit angeblich drohender Fluchtgefahr begründet.
Um den Genossen zu unterstützen und die Notwendigkeit des antifaschistischen Engagements zu verdeutlichen, wurde in Stuttgart ein Solibündnis gegründet, welches verschiedenste Aktivitäten organisierte. Auch solidarisierten sich viele verschiedene Kräfte mit ihm und kamen nicht nur aus ganz Baden-Württemberg solidarische GenossInnen zu seinen Prozessen am Amtsgericht.
Ende September diesen Jahres stand Andi, eine Genossin des Revolutionären Aufbau Schweiz und der Kommission für eine Rote Hilfe International in Bellinzona vor Gericht. Vorgeworfen wurden ihr verschiedene militante Aktionen. Der Klassenjustiz ging es nicht um die Aktionen an sich, sondern um den politischen Symbolcharakter: Mit der Anklage sollten andere von politischem Engagement, das den Rahmen dessen, was die bürgerliche Gesetzgebung überschreitet, abgeschreckt werden und zugleich die linke Bewegung in gute friedliche und böse militante Linke gespaltet werden. „Unter dem Aspekt der Generalprävention“ forderte der Bundesanwalt viereinhalb Jahre Knast für sie. Am 8. November verurteilte sie das Bundesstrafgericht in Bellinzona zu 17 Monaten.
Die Liste könnte noch weitergeführt werden, denn immer wieder landen Linke im Knast und sollen andere damit abgeschreckt, Strukturen handlungsunfähig und eine revolutionäre Veränderung als Utopie dargestellt werden. Unsere beste Waffe ist und bleibt im Kampf gegen die Klassenjustiz jedoch die Solidarität was bei den beiden hier genannten Angeklagten deutlich wurde.

In der Veranstaltung berichten GenossInnen der Revolutionären Jugend Zürich über den Prozess in Bellinzona und die Aktivitäten rund um den Prozess die unter dem Motto „den Spießs umdrehen – dem Kapitalismus den Prozess machen! Den Angriff gegen Andi zurückschlagen!“ statt fanden. Ausserdem soll es um die Frage gehen, wie man die Angriffe der Klassenjustiz so zurück schlagen kann, dass wir uns durch die gemachten Erfahrungen stärken und nicht schwächen lassen.

28.12.2011 | 19 Uhr | Linkes Zentrum Lilo Herrmann Stuttgart

Ein Rückblick

Hier eine kleine Zusammenstellung einiger wichtiger linker Aktivitäten in, um oder aus Stuttgart sowie größerer Angriffe von Repressionsorganen und Faschisten im Jahr 2011

Ein Rückblick…

Erste Infos zur Demonstration

31.12.2011
17 Uhr – Marienplatz
(Vom Hauptbahnhof mit der U14 Richtung „Heslach“)

Aufruf zur Silvesterdemo am 31.12.2011 in Stuttgart

No Justice, No Peace – Kampf der Klassenjustiz!
Das Jahr 2011 war geprägt von vielfältigen und kämpferischen linken Mobilisierungen. Mit dem Widerstand gegen Nazis und Rassisten, gegen Kriegstreiber und -profiteure, sowie mit klassenkämpferischen Aktionen gegen die Krisenpolitik der Herrschenden und für die Überwindung des Kapitalismus, konnten Kämpfe weiterentwickelt und linke Bewegungen gestärkt werden.

Viele der Aktivitäten hatten jedoch mit einem ausufernden Problem zu kämpfen: Staatliche Repression in verschiedensten Formen. Die staatlichen Kriminalisierungsversuche gegen linken Widerstand nahmen gerade in unserer Region in den letzten Monaten immer umfassendere Ausmaße an. Die seit August andauernde Untersuchungshaft eines Stuttgarter Antifaschisten wegen antirassistischer Proteste stellt nur den Höhepunkt der Repression dar.

Die Angriffe und Provokationen von Staat und faschistischer Bewegung gegen die Bestrebungen für eine fortschrittlicher Gesellschaft können nicht unwidersprochen bleiben. Wo auch immer sie versuchen uns zu treffen, gilt es sich gemeinsam und solidarisch zu verteidigen und politisch zurückzuschlagen. Am Silvesterabend werden wir uns noch einmal in diesem Jahr die Straße nehmen und deutlich machen, dass wir uns weder einschüchtern, noch einmachen lassen. Auf die Straße gegen Klassenjustiz und für ein revolutionäres 2012!

2011 – Aktion, Reaktion, Rerpression

Im Februar diesen Jahres konnte in Dresden einer der größten jährlichen Naziaufmärsche Europas bereits zum zweiten Mal in Folge durch massive antifaschistische Proteste verhindert werden. An den vielfältigen und konsequenten Aktionen beteiligten sich hunderte AntifaschistInnen aus der ganz Baden-Württemberg. Dieser Erfolg einer breiten Bewegung blieb von Seiten der Repressionsorgane nicht unbeantwortet. Mit vollem Einsatz versuchen Staatsanwaltschaften und Polizei bundesweit bis heute OrganisatorInnen und Beteiligte der Proteste zu schwächen, einzuschüchtern und zu diffamieren. Ihre Mittel reichen dabei von Flugblättern, auf denen die Massenblockaden bereits im Vorhinein prinzipiell zu Straftaten umgedeutet wurden, über einen überdimensionierten und brutalen Polizeieinsatz gegen die Aktionen, bis hin zu umfassenden Bespitzelungsaktionen (tausendfache Handyüberwachung, getarnte Zivilbullen) und der bundesweiten Verfolgung von AntifaschistInnen im Nachhinein. In enger Kooperation mit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft führte die Sächsische Staatsanwaltschaft dazu noch im Oktober diesen Jahres mehrere Hausdurchsuchungen, DNA-Entnahmen und erkennungsdienstliche Behandlungen bei Stuttgarter AntifaschistInnen durch.

Die traditionell klassenkämpferischen und revolutionären Aktivitäten rund um den 1. Mai, wurden 2011 ein weiteres Mal vom antifaschistischen Widerstand gegen einen süddeutschlandweiten Naziaufmarsch dieses Jahr in Heilbronn begleitet. In Stuttgart wurde diese doppelte Herausforderung mit einer lokalen revolutionären Vorabenddemo und einer kräftigen Mobilisierung nach Heilbronn zur Verhinderung des Naziaufmarsches angegangen.
Dazu entwickelte sich, erstmalig seit Jahren in Baden-Württemberg, eine überregionale und spektrenübergreifende Zusammenarbeit zur Blockade des rechten Großaufmarsches. Auch hier gingen die Repressionsbehörden konsequent und mit einem hohen Kostenaufwand gegen den Widerstand vor. Über 4000 Beamte belagerten ein komplettes Stadtviertel, um hunderten Faschisten einen freien Weg durch die Stadt zu bahnen. Im Gegenzug hielten sie etwa 800 GegendemonstrantInnen den gesamten Tag über in Kesseln, Zellen und sogenannten Gefangenensammelstellen unter teils unzumutbaren Bedingungen fest. Begleitet wurde der Einsatz von einer politischen und öffentlichkeitswirksamen Hetzkampagne der Polizei gegen die Proteste.

Anfang Juni versuchten die Rassisten der “Bürgerbewegung Pax Europa e.V.” und des rechtspopulistischen Internetnetzwerks „politically-incorrect News“ unter dem scheinbar harmlosen Motto „Islamkritisches Wochenende“ ein mehrtägiges rassistisches Aktions- und Seminarprogramm zu organisieren. Dies scheiterte jedoch am entschlossenen Widerstand mehrerer hundert AntirassistInnen, die den Handlungsspielraum der Rechten in mehrtägigen Protesten erheblich einschränkten und ihnen auf allen Ebenen entgegentraten. Erneut zeigten die Repressionsbehörden hier, wie sie mit dem Protest gegen Rassismus umzugehen pflegen: Dutzende Verletzungen durch Faustschläge, Schlagstöcke und Pfefferspray mitten in der Stuttgarter Innenstadt, massenhafte Ingewahrsamnahmen und etliche nachträgliche Verfahren sprachen für sich.

Der Gipfel der staatlichen Repressionsmaßnahmen in der Region war die Inhaftierung des Stuttgarter Antifaschisten Chris. Ihm werden einfache Körperverletzungsdelikte im Rahmen der antirassistischen Proteste anfang Juni vorgeworfen. Einer plötzlichen Festnahme auf offener Straße Anfang August dieses Jahres folgten eine noch immer andauernde Untersuchungshaft, sowie ein fadenscheiniger Indizienprozess, der ohne klare Beweise eine harte Verurteilung zu elf Monaten Haft mit sich brachte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft präsentierte sich mit einer Prozessführung, die keinen Zweifel an der politischen Motivation der Knaststrafe lässt: Ein Aktivist sollte aus seinem politischen und sozialen Leben herausgerissen werden, um ihn zu isolieren, zu brechen und sein Umfeld einzuschüchtern. Eine breit angelegte und intensive Soliarbeit mit hunderten ProzessbesucherInnen und Aktionen in ganz Baden-Württemberg, sowie kämpferische Statements des Betroffenen zeigen jedoch eindrücklich, dass dies nicht so einfach zu haben ist

Rinks, Lechts? Gegen jede Extremismustheorie!
Repression kennt viele Formen und hat viele Gesichter. Der Schlagstock, der Knast oder die Überwachungskamera sind dafür ganz eindeutige Symbole. Der bürgerliche Staat versucht allerdings auch mit anderen Mitteln gegen fortschrittliche Bewegungen vorzugehen. Ein großer Schwerpunkt wird aktuell auf die Propagierung der sogenannten “Extremismustheorie” gelegt. Fortschrittliche, linke Positionen werden dabei mit den reaktionären und menschenverachtenden Ideologien von Faschisten oder religiösen Fundamentalisten gleichgesetzt. Das heißt, diejenigen, welche die herrschenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen überwinden wollen, werden mit denen in einen Topf geworfen, die nichts anderes als die Zuspitzung und Verschärfung der bestehenden Verhältnisse anstreben. Dass es hierbei insbesondere darum geht, linke Bewegungen zu diskreditieren, zu spalten und zu isolieren, wird in den praktischen Konsequenzen dieser Theorie deutlich: Entzug finanzieller Unterstützung für antifaschistische und antirassistische Projekte, mediale Hetzkampagnen gegen linke Bewegungen, sowie die Verschärfung von Überwachungs- und Repressionsmaßnahmen gegen linke AktivistInnen und Strukturen. Schon lange hat der “Kampf gegen Extremismus” den Einzug in den politischen Alltag gefunden und wird zunehmend zur Richtlinie für staatliche Einrichtungen und Gesetzesvorlagen. So sollen Ängste geschürt werden, um von wirklichen Problemen abzulenken und um den Überwachungsstaat auszubauen.

Die Extremismustheorie bestätigt und legitimiert nicht nur die herrschende Klassengesellschaft, sondern dient ebenso zur Relativierung erstarkender faschistischer Ideologie und Gewalttaten. Der prinzipiell menschenfeindliche Charakter dieses Gedankengutes wird nicht als ständige Gefahr innerhalb unserer Gesellschaft begriffen, sondern zusammen mit fundamentalistisch-religiösen und linken Positionen lediglich zur äußerlichen Bedrohung für die vermeintlich erhaltenswerte bürgerlich-kapitalistische Ordnung erklärt. Zugleich jedoch spitzen sich die Auswüchse faschistischer Gewalt in letzter Zeit gerade hier in Baden-Württemberg enorm zu. Die Höhepunkte allein in diesem Jahr waren der Gaspistolen-Angriff auf einen Antifaschisten in Leonberg, der neunfache Mordversuch an MigrantInnen in Winterbach, sowie der Versuch eines Nazis im badischen Riegel mehrere AntifaschistInnen mit dem Auto zu überfahren, wonach ein Betroffener mit schweren Kopfverletzungen über Wochen stationär behandelt werden musste und weiterhin unter Folgeschäden leidet. Es kann nicht hingenommen werden, dass diese Gefahr von Rechts mit dem notwendigen Widerstand dagegen gleichgesetzt wird! Trotz staatlicher Angriffe und ständiger Diffamierung muss gerade jetzt ein aktiver Antifaschismus auf vielen Ebenen und mit breiter Beteiligung die konsequente Antwort sein.

Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht! Kampf der Klassenjustiz!
Nicht zufällig fährt der Staat in der aktuellen Situation so schwere und vielfältige Geschütze gegen linke Bewegungen auf. Die anhaltende und globale Systemkrise lässt soziale Widersprüche zwischen Profiteuren und Leidtragenden des Kapitalismus auch in der BRD immer weiter auseinander klaffen. In der Bevölkerung sammelt sich Unmut über die stetige Verschlechterung der Lebensbedingungen der lohnabhängigen Klasse und das Märchen von der Alternativlosigkeit der bestehenden Ordnung beginnt zu bröckeln. In dieser Phase der Destabilisierung können die Herrschenden keine starken und selbstbestimmten Bewegungen dulden, die sich nicht durch Staatstreue, sondern durch fortschrittliche Politik hervortun und das Gewaltmonopol das Staates offen in Frage stellen. Um die unerwünschten Entwicklungen jetzt und vor allem zukünftig unter Kontrolle zu bringen, rüsten die Herrschenden ihre Repressionsorgane schon seit Jahren massiv auf. Sie sollen zusammen mit Geheimdiensten und dem inzwischen auch wieder im Inneren eingesetzten Militär zu effektiven Aufstandbekämpfern gemacht werden.

Parallel dazu werden massenhaft Strafverfahren gegen Aktive wegen meist konstruierter Kleinstdelikte, wie angeblicher Landfriedensbrüche, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz oder dem Widerstand gegen Bullen eingeleitet. Derzeit laufen in Stuttgart zum Beispiel über 2000 Verfahren gegen S21-Gegner. Hausdurchsuchungen, Inhaftierungen, der Aufbau von sozialem Druck oder blanke Gewaltorgien gegen linke Proteste tun ihr übriges, um den Versuch der umfassenden Einschüchterung abzurunden und Ohnmachtsgefühle unter den Aktiven zu erzeugen. Zugleich wird versucht, linke Bewegungen durch staatlich geleitete Hetzkampagnen in “Gut und Böse” zu spalten. Die unliebsamen kämpferischen Teile werden in der öffentlichen Darstellung entpolitisiert und zu einfachen Chaoten oder Krawallmachern umgedeutet, während andere Teile der Bewegung unter Druck gesetzt werden, sich von ihnen zu distanzieren.

Jetzt erst Recht! Für eine starke linke Bewegung!
…nur so kann unsere lautstarke Antwort auf die staatliche Repression und die Angriffe von Rechts lauten! Die Angriffe der Herrschenden auf unsere Bewegungen können für uns nur bedeuten, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Von einem revolutionären Umsturz der Verhältnisse sind wir sicherlich noch weit entfernt. Ein Voranschreiten mit dieser Perspektive wird jedoch zwangsläufig von andauernden Angriffen des Staates und der Rechten begleitet sein. Nur eine immer ausgereiftere Selbstverteidigung und ein starker politischer Widerstand dagegen können unseren Bewegungen zu Standhaftigkeit und Kontiuität verhelfen. Ein Blick über den nationalstaatlichen Tellerrand zeigt uns, dass wir mit unseren Kämpfen, unseren Problemen und Perspektiven nicht alleine sind. Auf der ganzen Welt flammen kleinere und größere fortschrittliche Bewegungen gegen Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Besatzung neu auf und stellen das kapitalistische System mit seinen zerstörerischen Folgen in Frage. Die beste Form der internationalen Solidarität und Unterstützung auf dem Weg zum weltweiten Aufbau einer befreiten Gesellschaft ist es, die politischen und sozialen Kämpfe hier in der BRD auszubauen, zu stärken und die staatliche Repression auf allen Ebenen zurückzuschlagen. Nur wenn wir uns zusammenschließen und organisieren, können wir dieses Ziel auch erreichen.

Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden uns genau an den Angriffspunkten des Repressionapparates weiterentwickeln, um gegen zukünftige Schläge besser gewappnet zu sein.
Nutzen wir die aktuellen Repressionsschläge, um den eigentlichen Charakter des bürgerlichen Staates, seine repressive Fratze, aufzuzeigen! Nutzen wir sie, um über notwendige Gegenmaßnahmen zu diskutieren und um Aktionsformen zu entwickeln, die den Angreifern nicht so leicht ausgeliefert sind! Nutzen wir sie jedoch auch, um eine spektrenübergreifende Antirepressionsarbeit zu stärken, um den Betroffenen eine immer bessere Hilfe an die Hand geben zu können!

In die Offensive gegen Bullenstaat und Klassenjustiz!
Für eine klassenlose Gesellschaft!
Für ein revolutionäres 2012!